Gedanken zur Zukunft des Nachrichtenkonsums

NachrichtenkonsumDa ich mich durch Virato.de sehr viel mit Nachrichten sowie Nachrichtenportalen und Blogs beschäftige, möchte ich gerne meine Gedanken zur Zukunft des Nachrichtenkonsums mit der Öffentlichkeit teilen.

Die Gesellschaft befindet sich momentan in einem starken digitalen Wandel. Einerseits waren im Januar 2013 z.B. bereits 25,35 Mio. Nutzer aus Deutschland bei Facebook angemeldet und die mobile Internetnutzung wächst rapide an. Zudem besitzen momentan 37 Prozent der in Deutschland lebenden Bevölkerung ein Smartphone und 13 Prozent ein Tablet. Andererseits hört man zurzeit viel vom „Zeitungssterben“. Der Nachrichtenkonsum verlagert sich immer mehr von Print nach Online, da dort meistens komplette Nachrichten gratis zur Verfügung stehen. Die Auflagenzahlen der Zeitungen sinken im Gegenzug stetig. Viele Verlage können noch nicht kostendeckend arbeiten und wissen auch nicht, wie man den Online-Sektor besser nutzen könnte. 

Generell sind alle Artikel von Presseverlagen heute in digitaler Form verfügbar – viele davon aber noch nicht online. Zu den Presseverlagen gesellen sich in Deutschland noch zehntausende Blogger, wobei viele, wie z.B. netzpolitik.org, bildblog.de, indiskretionehrensache.de, saschalobo.com oder gutjahr.biz, eine sehr gute journalistische Arbeit leisten und damit auch Erfolg haben. Nachrichten verteilen sich online oft in Sekundenschnelle. Einen großen Anteil daran haben Social Media Netzwerke, wie z.B. Facebook, Twitter und zunehmend auch Google+. Ein Nutzer muss oftmals gar nicht mehr ein Nachrichtenportal ansteuern, um wichtige Informationen zu erhalten. Er bekommt sie in seinem Social-Media-Stream angezeigt. Die Lebensdauer einer Nachricht ist beschränkt. Häufig ist sie bereits nach einigen Stunden „verbrannt“. Dies ist auch ein Problem von gedruckten Tageszeitungen. Darin sind viele Nachrichten für den Leser schon veraltet.

Meiner Meinung nach werden Aggregatoren in Zukunft eine immer stärkere Rolle im Nachrichtenkonsum einnehmen. Das Problem einzelner Nachrichtenportale, wie z.B. bild.de, spiegel.de und zeit.de ist, dass sie zwar sehr viele Inhalte anbieten, aber oft nicht alles, was einen Leser interessieren könnte. Viele Leser surfen somit von einer Nachrichtenseite zur anderen und schauen sich dort die redaktionell vorgegebenen News an. Die bisher starken Verlagsmarken werden immer weniger Bedeutung haben, da die Information an sich für den Leser im Vordergrund steht. Eine bekannte Marke kann hierbei nur die Vertrauenswürdigkeit des veröffentlichen Textes steigern, da Marken meist für Qualität stehen. Die Position von Journalisten/Autoren/Bloggern wird im Gegenzug gestärkt werden, denn sie sind die eigentlichen Urheber eines Textes.

Aggregatoren können Nachrichten leicht personalisieren und für einzelne Leser speziell aufbereiten. Hierbei stehen thematische und räumliche Faktoren im Vordergrund. Durch die bisherigen Leser eines Artikels erhält man eine algorithmische Bewertung, wie z.B. durch deren Social-Media-Verbreitung und die getätigten Kommentare dazu (Sentiment Detection). Über eine Nachrichtendatenbank können Verlage und Blogger ihre vollständigen Artikel automatisch anbieten (per API) und Aggregatoren kaufen automatisiert diese Nachrichten, wenn der Bedarf für einzelne Leser vorhanden ist. Damit erhält der Leser direkt über den Aggregationsservice Zugriff auf den vollständigen Artikel. Der Leser bezahlt einen Betrag x und erhält dadurch Zugriff auf eine große Anzahl von Nachrichten von verschiedenen Verlagen und Autoren. Spezielle, gut recherchierte Artikel kann er per Mausklick für Cent-Beträge hinzukaufen. Die Abrechnung läuft hierbei zentral über den Aggregator. Flipboard und die New York Times haben hierbei z.B. bereits einen ersten Content-Deal getätigt. Und ZEIT ONLINE bietet bereits eine eigene Content-API an. Andere Verlage werden bestimmt bald diesem guten Beispiel folgen.

Die Print-Tageszeitung wird in Zukunft durch dünne und biegsame Tablets abgelöst. Produkte wie „Papertab“ werden ab Ende 2013 auf den Markt kommen. Diese Zeitungstablets werden aktuelle Nachrichten über das Internet laden und für den Leser personalisieren. Print-Tageszeitungen werden somit in den nächsten Jahren langsam in der bisherigen Form aussterben. Verlage würden über den digitalen Weg auch sehr viele Kosten sparen. Herstellung (25,6 %) und Vertrieb (24,7 %) sind momentan die größten Kostentreiber. Allein durch Verzicht auf Papier bei der Herstellung besteht großes Einsparpotential. Im Jahre 2011 waren es in Deutschland 2.155.000 Tonnen.

In den nächsten Jahren wird es meiner Meinung nach einen großen gesellschaftlichen Wandel im Nachrichtenkonsum geben. Durch die technischen Möglichkeiten sind die Verlage gezwungen, neue Wege zu beschreiten und umzudenken. Aggregatoren gehört hierbei die Zukunft, denn übergreifend können sie dem Leser am besten die Nachrichten präsentieren, die für ihn interessant sind.

Autor

Björn Schumacher

COO/Co-Founder von 247GRAD Labs, Business Development bei einem regionalen Online-Verlag und Analysen von Nachrichten und Influencern.

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