BuzzFeed und Upworthy: Erfolg durch Viralit

In den letzten Wochen wurde sehr viel über BuzzFeed und Upworthy geschrieben. Beides sind amerikanische Portale, die sehr viel Wert auf Inhalte (Artikel, Nachrichten, Videos, Fotos) legen, die sich schnell im Web (viral) verbreiten. Süße Katzenbilder spielen hier natürlich auch gerne mal eine Rolle. Somit würden beide Portale nicht unbedingt in das Image des „Qualitätsjournalismus“ passen, mit dem sich viele Verlage in Deutschland gerne rühmen. Für mich sind das sehr spannende Projekte, da ich mich u.a. durch Virato nun schon länger mit Nachrichten und deren Viralität beschäftige.

NewsWhip veröffentlichte vor ein paar Tagen eine Analyse über die Top 20 Publisher bei Facebook im August 2013.

Facebook Publisher Charts August 2013

Hier liegen BuzzFeed und die Huffington Post bei der Gesamtzahl der Facebook Likes, Shares und Comments klar vorne. Sogar weit vor den traditionellen Newsportalen CNN, BBC, News York Times usw. Nimmt aber die jeweilige Artikelanzahl dazu (Quelle) und ermittelt den SMQ (durchschnittliche Social Media Verbreitung pro Artikel) ergibt sich folgendes Bild:

Domain Article Count FB Total SMQ
upworthy.com 216 5300231 24538,11
buzzfeed.com 7493 15915534 2124,05
rt.com 917 1841195 2007,85
theblaze.com 1756 3419994 1947,60
thinkprogress.org 1063 1993712 1875,55
cnn.com 5215 6601672 1265,90
npr.org 2493 2701627 1083,69
huffingtonpost.com 12290 12081917 983,07
nytimes.com 7290 5288881 725,50
BBC Network 8016 5338372 665,96
washingtonpost.com 6712 2846271 424,06
USA Today Network 6040 2459352 407,18
dailymail.co.uk 10966 3871340 353,03
The Guardian Network 10939 3585566 327,78
ESPN 6252 1965512 314,38
NBC Network 12457 3807078 305,62
MSN Network 17444 2942231 168,67
CBS Network 27247 2671329 98,04
Fox Network 44884 4025628 89,69
yahoo.com 107206 3121815 29,12


Upworthy führt hier vor BuzzFeed und die Huffington Post landet bei den analysierten Publishern, in Bezug auf die durchschnittliche Social Media Verbreitung ihrer Inhalte, nur im Mittelfeld. Upworthy und BuzzFeed sind somit die Portale, die pro Artikel die höchste Viralität bei Facebook erreichen.

Den Verlagen ist dieser Erfolg natürlich nicht entgangen. Christoph Keese (Executive Vice President, Axel Springer AG) machte vor ein paar Tagen mit einem Tweet darauf aufmerksam, dass die Verlage und Journalisten Buzzfeed viel ernster nehmen sollten. Daraufhin schrieb Karsten Lohmeyer in seinem Artikel „Aufpassen, Journalisten, die Huffington Post ist erst der Anfang!“, dass  es nun darum gehen würde, die Technologie und Herangehensweise des Journalismus komplett neu zu erfinden , wobei aber weiterhin die traditionellen Aufgaben des Journalismus von Informieren über Aufklären bis Unterhalten wahrgenommen werden müssten. Dies sehe ich ähnlich. Einen interessanten Vergleich zog Marcel Winatschek. Für ihn ist BuzzFeed „das McDonald’s der Nachrichtenseiten“. Ich denke, das trifft es ganz gut. Man braucht es nicht immer, ist mal ganz nett zwischendurch, es stillt den Hunger, es geht schnell – und die Masse liebt es.

Portale, wie BuzzFeed und Upworty stehen für eine neue Art des Journalismus. Sie ist viel polarisierender und emotionaler als es dem klassischen Qualitätsjournalismus möglich wäre. Sie trifft die Menschen meist mitten ins Herz und bewegt sie so sehr, dass sie die Welle der Eindrücke an ihre Freunde und Bekannten weitertragen. Und das macht auch ihren Erfolg aus.

Damit man die Menschen auf Anhieb anspricht, ist die Überschrift das wichtigste Element. Peter Koechley, einer der Co-Founder von Upworthy, gab dazu folgende interessante Tipps:

  • Vergiss die Regel, dass Überschriften informativ, objektiv und grammatisch korrekt sein müssen
  • Verspreche viel und übertreibe geschickt
  • Mache die Menschen extrem neugierig
  • Integriere Emotionen und Gefühle
  • Schreibe so, dass die Leser gerne die Inhalte teilen und sich dadurch positive Auswirkungen auf ihr eigenes Image erhoffen

Dies wäre natürlich in der Form in den klassischen Newsportalen nicht möglich. Bei diesen sollten die seriösen Informationen im Vordergrund stehen. Niemand möchte hier dauernd die ultimativen und reißerischen Überschriften und Artikel lesen. Tendenziell publizieren bei den deutschen Newsportalen die Deutschen Wirtschafts Nachrichten die Überschriften und Themen mit dem größten Klickreiz. Und das bringt auch viralen Erfolg mit sich. Jeder Artikel wurde davon in der ersten Jahreshälfte durchschnittlich fast 350 mal über soziale Netzwerke geteilt.

Trotzdem besteht für die Verlage noch ein sehr großes Potential im Republishing. Texte und vor allem Bilder sind bereits erworben. Mit einem kleinen Team könnte man auf einem externen Portal vielversprechende Themen aufgreifen, Überschriften und Texte viral aufbereiten, ein passendes Foto auswählen und es dort in neuem Gewand veröffentlichen. Somit braucht man sich auch keine Gedanken um Suchmaschinenoptimierung und ähnliches zu machen – Ziel ist einzig und alleine eine hohe virale Verbreitung über die sozialen Netzwerke. Ich kann mir gut vorstellen, dass sich hier auch einige Verlage (besonders mit Inhalten aus dem Boulevard-Bereich) bereits Gedanken machen. Mit passenden Algorithmen könnte man noch zusätzlich die Viralität steigern und den Erfolg vergrößern.

Ich bin jedenfalls gespannt, was die nächsten Monate hier noch mit sich bringen. Kann mir auch gut vorstellen, dass sich der Hype um BuzzFeed, Upworthy und Co. auch wieder etwas beruhigt. Denn wer will schon jeden Tag von den Nachrichten immer in jegliche Extreme geschickt werden?

Autor

Björn Schumacher

COO/Co-Founder von 247GRAD Labs, Business Development bei einem regionalen Online-Verlag und Analysen von Nachrichten und Influencern.

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