Lokaljournalismus und Social Media

Lokaljournalismus und Social Media sind die Themengebiete mit denen ich mich zurzeit am meisten beschäftige. In der Woche mit der Entwicklung von 247GRAD CONNECT, einer Software für Social-Media-Kommunikation, und am Wochenende mit dem Aufbau der Kuriere (Regionale Nachrichtenportale für die Landkreise Altenkirchen, Neuwied und den Westerwaldkreis).

Generell werden Nachrichten sehr oft gelesen und über Social Media weiterverbreitet, wenn ein direkter Bezug zum Leser vorliegt – besonders auf emotionaler Ebene. Im Lokaljournalismus ist das sehr häufig der Fall. Ich habe dazu mal eine kleine Grafik erstellt:

Lokaljournalismus
 
Lokaljournalismus umfasst z.B. die Themenbereiche Sport und Vereine, Wirtschaft und Handel, Politik, Veranstaltungen, Kultur und Lokalitäten. Meist sind dies die Bereiche, mit denen sich ein ortsansässiger Leser tagtäglich beschäftigt. Er wohnt an einem Ort, ist dort in Vereinen aktiv, geht einkaufen und auch mal essen oder zu Veranstaltungen, hat eine Arbeitsstelle in der Region und diskutiert mit Freunden und Bekannten z.B. am Stammtisch über die regionale und überregionale Politik. Je größer der direkte Bezug von Nachrichten zum Leser ist, besonders wenn es den Wohnort oder Familie und Freunde betrifft, desto eher werden die Nachrichten von ihm gelesen und an seine Freunde und Bekannten weiterverbreitet. Wo früher noch für den Dorfklatsch zum Telefonhörer gegriffen wurde, übernehmen diese Aufgabe nun hauptsächlich Facebook und Whatsapp.

Besonders bei Themen wie Vermisstensuchen, Unfällen und Überfällen greift das Prinzip „Nachbarschaftshilfe“ sehr gut und der Leser verbreitet über Facebook diese Nachrichten innerhalb kurzer Zeit an seine Freunde und Bekannte weiter.

Viral500
Das Problem ist nur: Wie kommen die Nachrichten zum relevanten Leser? Für sehr viele Menschen, besonders jüngere, ist Facebook die Nachrichten-Quelle Nummer 1 geworden. Das Problem bei Facebook ist aber, dass jeder gepostete Beitrag einer Facebook Page nur einen geringen Anteil der jeweiligen Fans erreicht. Als Verlag hat man aber leider in der Regel nicht das Geld, jeden Beitrag werblich hervorzuheben.

Bei den Kurieren haben wir nun folgenden Weg eingeschlagen: Es gibt drei Haupt-Facebook Pages für die drei Landkreise (AK, NR, WW). Diese Facebook Pages werden redaktionell betreut.  Wenn wir dort handverlesene Nachrichten posten, wissen wir aber leider nie, ob wir überhaupt die richtige Zielgruppe erreichen - nämlich die Menschen, die einen direkten Bezug zu den jeweiligen Geschehnissen haben (auch ein Landkreis kann groß sein).  Und alle Nachrichten wollen wir auch nicht über die Haupt-Accounts veröffentlichen. Bei 30-50 Nachrichten am Tag, macht man sich damit normalerweise keinen Fan zum Freund.

Als Lösung dieses Problems legen wir nun nach und nach für jede Verbandsgemeinde eine eigene Lokalausgabe als Facebook Page an. Bisher gibt es diese für Altenkirchen, Wissen, Betzdorf, Hamm, Hachenburg und Neuwied. Weitere folgen in Kürze. Diese werden jeweils automatisch per Skript mit aktuellen Nachrichten aus der jeweiligen Verbandsgemeinde bespielt. Normalerweise werden nur Leser Fans dieser Pages, die auch wirklich in dieser Region wohnen. Vorteil: Sie haben einen sehr starken Bezug zu den Beiträgen bzw. Nachrichten, lesen und interagieren damit - und somit tauchen diese Pages auch viel mehr im Facebook Stream auf. Insgesamt haben wir dadurch nun einige tausend Website-Besucher mehr im Monat bekommen.

Je mehr Social Media Accounts man betreut, desto umständlicher ist natürlich die Verwaltung der Kommentare und Nachrichten. Für Facebook und Twitter setzen wir bei den Kurieren deshalb nun 247GRAD CONNECT im Team ein, wo alle Beiträge von Lesern der momentan 14 Pages und Twitter Accounts zentral in unseren Helpdesk einlaufen.  So behalten wir auch bei vielen Kommentaren alles im Blick, können schnell bei Meldungen reagieren und die Lokalausgaben weiter ausbauen.

Helpdesk Kuriere

Fazit: Im Lokaljournalismus sollte man sich im Social-Media-Bereich sehr gut aufstellen, denn hier hat man als Verlag das größte Potential, seine Leser zu erreichen. Bei den Kurieren haben wir dies, so weit es geht, automatisiert – und bisher Erfolg damit.

Autor

Björn Schumacher

COO/Co-Founder von 247GRAD Labs, Business Development bei einem regionalen Online-Verlag und Analysen von Nachrichten und Influencern.

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